01.03.2019 | Dresden
Studienfahrt des Beruflichen Gymnasiums der AFBB Dresden nach Auschwitz 2019.

… dies war das Thema der dritten Studienfahrt vom 22. - bis 27.02.2019 nach Auschwitz, an der Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums der AFBB, die begleitenden Lehrer Frau Hartwig, und Herr Göpner sowie unser Gruppenleiter Herr Zinnow teilnahmen. Diese Fahrt wurde von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung organisiert.

Die gesamte Schule der AFBB möchte sich auf diesem Weg für die wiederholte, großartige Unterstützung bei der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und speziell bei ihrem Mitarbeiter Herr Zinnow bedanken.

Es war erneut eine Studienfahrt, die sicherlich allen Beteiligten aufgrund so vieler eindrucksvoller Bilder, Geschichten und neuer Informationen, immer in Erinnerung bleiben wird. Allen von uns ist nach dieser Woche noch einmal bewusst geworden, wie enorm wichtig die Auseinandersetzung mit diesem Teil unserer Geschichte ist und wie bedeutend es ist, sich stets dafür einzusetzen, eine Wiederholung solcher Verbrechen zu verhindern. Egal in welcher Form und egal an welchem Ort.

Studienfahrt des Beruflichen Gymnasiums der AFBB Dresden

Nach Ankunft in der Jugendbegegnungsstätte am Freitag, den 22.02.2019, begann der nächste Tag, Samstag, den 23.02.2019, mit einem Rundgang durch das ehemalige KZ Auschwitz – Stammlager I. Während einer dreistündigen Führung wurde uns gezeigt, wie das Lager und der gesamte Komplex funktioniert haben. Abgesehen von Auschwitz I bis III gab es nämlich noch 44 weitere Außenlager, was die unglaublichen Ausmaße der Grausamkeit zeigt. Wir gingen zu Beginn der Führung durch das Eingangstor mit dem in Eisen geschmiedeten Satz „Arbeit macht frei“ hindurch, an aus Ziegeln gemauerten Blocks vorbei, die alle durch eine Nummer gekennzeichnet waren und standen nun mitten drin im Geschehen. Es war kaum vorstellbar was damals in diesem Stammlager passierte, denn an diesem Tag schien die Sonne und viele andere Gruppen liefen wie wir von einem Block zum nächsten. Der Anblick innerhalb der Blöcke war unfassbar. Anfangs verdeutlichten uns Schautafeln, Bilder und Landkarten was in Auschwitz geschehen war, doch dann hinterließen die Habseligkeiten der Opfer, die nach der Befreiung des Lagers aufgefunden wurden, einen nachhaltigen Eindruck und Gänsehaut in unserer Gruppe. Wir standen vor einem riesigen Berg von Haaren, der unsere Köpfe überstieg und von dem wir nur eine Fensterscheibe weit entfernt waren, Schuhberge, Auftürmungen von Prothesen und Gehhilfen, tausende Brillengestelle, Meter hoch gestapelte Töpfe und Schüsseln sowie ein Meer von Koffern. Grauenvoll!

Studienfahrt des Beruflichen Gymnasiums der AFBB Dresden

Ein Ort der Ermordung von Menschen im Stammlager war die Gaskammer mit dem direkt angeschlossenen Krematorium. Wir befanden uns dort, wo einst Menschen durch Zyklon B qualvoll ersticken mussten und waren kaum in der Lage diese Tatsache zu realisieren. „Es gibt nur einen Weg, wie ihr dieses Lager wieder verlassen werdet – und zwar durch den Schornstein“. Dieser Satz wurde uns im Krematorium deutlicher, als es viele von uns vielleicht wollten. Nach 3 Stunden war die Führung vorbei und wir liefen zurück zur Internationalen Jugendbegegnungsstätte, um uns zu stärken. Es fiel aber auf, dass nur die wenigsten über den Besuch im Stammlager sprachen und sich austauschten. Die anderen behielten ihre Eindrücke erst einmal für sich, denn der Tag war schließlich noch nicht vorüber.

Am nächsten Tag, Sonntag den 24.02.2019, begann der zweite Teil der Führung. Wir erwarteten unsere polnischen Führerinnen diesmal in Birkenau (Auschwitz II), dem ehemaligen Vernichtungslager, das 3 km vom Stammlager entfernt lag. Zunächst stiegen wir auf den Wachturm, der durch Eisenbahnschienen unterbrochen war, die auf direktem Weg ins Lager führten und an den Gaskammern sowie Krematorien endeten. Das Lager hatte ursprünglich eine Fläche von 175 ha und schien bis zum Horizont zu reichen. Die aus Holz und Stein hergestellten Baracken waren in Reihen nebeneinander gebaut und unzählige Schornsteine von Kaminen erstreckten sich fast endlos über das gesamte Gelände. Als wir vom Wachturm hinabstiegen, machten wir uns auf den Weg zu den Häftlingsbaracken. Diese waren einst ehemalige Pferdeställe, die für 52 Pferde gebaut waren und keinerlei Schutz vor Wind und Nässe boten. Fast 400 bis 700 Häftlinge waren in solch einer Baracke untergebracht und mussten auf dreistöckigen Verschlägen aus Brettern schlafen.

Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal und meist die Ursache für Krankheiten, sodass die Möglichkeit des Überlebens stets geringer wurde. Am Ende der Schienen stießen wir schließlich auf die Überreste von den Krematorien in denen es pro Tag möglich war bis zu 4400 Leichen zu verbrennen. Außerdem befindet am Ende der Schienen ein Gedenkplatz/Mahnmal für die Opfer des Vernichtungslager, denen die Menschen aus aller Welt die letzte Ehre erweisen. Eine große Hilfe zur Verarbeitung dieser Erlebnisse waren ausführliche, gemeinsame Gesprächsrunden an den Abenden. Für die gesamte Gruppe war es sehr befreiend, noch einmal über das Tagesprogramm zu reflektieren, Gedanken und Emotionen auszutauschen und viele verschiedene Meinungen zu den gesehenen Dingen zu hören.

Studienfahrt des Beruflichen Gymnasiums der AFBB Dresden

Am Nachmittag lernten wir auf einer Stadtführung den Ort Oświęcim unter dem Motto: „Auschwitz - gestern und heute“ besser kennen und verstehen.

Nachdem sich die Gruppe zwei Tage ausgiebig mit der Thematik Holocaust auseinandersetzte, erfolgte am Montag, dem 25.02.2019 ein Ausflug nach Krakau – eine der größten, vielseitigen und schönsten Städte Polens. Dort konnten wir mit einer Stadtführung, speziell im jüdischen Viertel „Kazimierz“, viel Wissen über die historische und politische Bedeutung dieses Ortes erlangen. Die freie Zeit, die jeder nutzen konnte, um für sich ganz persönlich die Stadt zu erkunden, war eine willkommene Ablenkung und brachte uns teilweise wieder auf andere Gedanken.

Studienfahrt des Beruflichen Gymnasiums der AFBB Dresden

Einige besuchten in der Freizeit das Salzbergwerk Wieliczka in Krakau. Es ist eines der ältesten und bekanntesten Salzbergwerke der Welt und seit 1978 UNESCO-Weltkulturerbe. Am Abend speiste die Gruppe noch gemeinsam bei jüdischer (Klezmer) Musik im jüdischen Lokal „Ariel“ zu Abend.

Studienfahrt des Beruflichen Gymnasiums der AFBB Dresden

Am Dienstag, den 26.02.2019 stand der Besuch von Schloss Pless auf dem Programm. Hier konnte vollständige und unendlich reiche Inneneinrichtung der Familie Hochberg-Pless besichtigt werden. Hinzu kamen die Räume, welche Kaiser Wilhelm II. während des ersten Weltkrieges hier bewohnt hatte, und eine Ausstellung zur „Diana der Jahrhundertwende", Fürstin Daisy von Hochberg-Pless.

Studienfahrt des Beruflichen Gymnasiums der AFBB Dresden

Am Nachmittag besuchte die Gruppe nochmals das KZ Auschwitz I/Stammlager. Es konnte sich jeder eigenständig die einzelnen Länderausstellungen besucht. Diese thematisieren den Umgang mit dem Holocaust aus Sichtweise unterschiedlicher Nationen bzw. Opfergruppen. Am Mittwoch, den 27.02.2019 ging es dann nach Dresden zurück.  

Jedoch werden die Erinnerungen mit Sicherheit nicht in Vergessenheit geraten – Erinnerungen an schreckliche und unmenschliche Taten, welche sowohl in Auschwitz und Birkenau, als auch in vielen anderen KZs zur Zeit des Nationalsozialismus, verübt wurden. Wir möchten uns bei Herrn Zinnow von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung nochmals danke, ebenso den Verantwortlichen in der Jugendbegegnungsstätte vor Ort, die uns begleitet und betreut haben. An diese Woche werden wir noch oft zurückdenken und für diese Erfahrung dankbar sein. Mit vielen verschiedenen Gedanken begaben wir uns auf die Rückfahrt, doch am Ende blieb wohl bei allen ein Wille – nämlich, so zu handeln und sich verantwortlich dafür zu fühlen, dass Auschwitz, egal wo auf der Welt, nie wiederholt werden darf.

Die AFBB ist Partner bzw. wird gefördert von:

ESF Erasmus LCCI imove

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.