25.02.2020 | Dresden | Abitur

Studienfahrt des Beruflichen Gymnasiums der AFBB Dresden

Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz

“It happened, therefore it can happen again: this is the core of what we have to say.” Primo Levi: Inschrift in der israelischen Ausstellung im Stammlager Auschwitz

… dies war das Thema der vierten Studienfahrt vom 09. - bis 14.02.2020 nach Auschwitz, an der Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums der AFBB, die begleitenden Lehrer Frau Richter und Herr Göpner sowie unser Gruppenleiter Herr Zinnow teilnahmen.

Was uns dort erwartete, wussten wir im Vorfeld natürlich alle – doch die wirklichen Ausmaße scheinen allen im Augenblick der Abreise noch weit entfernt. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich im Geschichtsunterricht mit dem Thema Nationalsozialismus und Holocaust beschäftigt und wollten sich deshalb intensiver mit der Geschichte und unserer Verantwortung heute, besonders der Verantwortung der jungen Generation, auseinandersetzen. Aus diesem Grund wurde diese Fahrt von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung organisiert. Die gesamte Schule der AFBB möchte sich auf diesem Weg für die wiederholte, großartige Unterstützung bei der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und speziell bei ihrem Mitarbeiter Herrn Zinnow bedanken.

Es war erneut eine Studienfahrt, die sicherlich allen Beteiligten aufgrund so vieler eindrucksvoller Bilder, Geschichten und neuer Informationen, immer in Erinnerung bleiben wird. Allen von uns ist nach dieser Woche noch einmal bewusst geworden, wie enorm wichtig die Auseinandersetzung mit diesem Teil unserer Geschichte ist, und wie bedeutend es ist, sich stets dafür einzusetzen, eine Wiederholung solcher Verbrechen zu verhindern -  egal in welcher Form und an welchem Ort.

Der Besuch des KZ Auschwitz – Eindrücke, die Spuren hinterließen

Nach Ankunft in der Jugendbegegnungsstätte am Sonntag, den 09.02.2020, begann der nächste Tag, Montag, der 10.02.2020, mit einem Rundgang durch das ehemalige KZ Auschwitz – Stammlager I. Unsere Guides führten uns durch die eng eingezäunte Gruppe von gemauerten Baracken. Einst eine polnische Kaserne, daraufhin KZ und nun Ort für die dokumentarischen Ausstellungen. Man erzählte uns recht direkt, aber rücksichtsvoll von den unvorstellbaren Ausmaßen der Grausamkeit der Nazis. Von SS-Männern, die Feste feierten und sich Konzerte geben ließen, während einige hundert Meter entfernt tausende von Leichen verbrannt wurden und der Rauch die Luft prägte. Die Räume, die wir durchliefen, waren teils möglichst unangetastet und nur zum Nötigsten restauriert, teils zur schlicht gehaltenen Darstellung von Fotografien, Dokumenten und Übriggelassenem umfunktioniert. Schlecht gezimmerte, dreistöckige Holzbetten, dicht an dicht, Formulare für Verhaftungsgründe, medizinische Untersuchungen und Todesursachen, Berge erhaltener Schuhe, Haare, Brillen, Koffer der Opfer, Kleidung und Zeichnungen von Kindern, auf denen SS-Männer, Waffen oder einfach nur das Wort “Mami” zu sehen war, heimlich und offiziell gemachte Aufnahmen des Betriebs, Reihen an Reihen von Fotografien registrierter Häftlinge nach den menschenentwürdigenden und persönlichkeitsraubenden Aufnahmeverfahren. Unter den Bildern von verängstigten, kahlgeschorenen Menschen waren jeweils Name, Beruf, Datum der Ankunft und Todestag dokumentiert. Nach 3 Stunden war die Führung vorbei und wir liefen zurück zur Internationalen Jugendbegegnungsstätte, um uns zu stärken. Es fiel aber auf, dass nur die Wenigsten über den Besuch im Stammlager sprachen und sich austauschten. Die Anderen behielten ihre Eindrücke erst einmal für sich, denn der Tag war schließlich noch nicht vorüber. Denn am Nachmittag stand eine Exkursion in die Geschichte des Ortes Oswięcim und ein Besuch der Ausstellung in der Synagoge auf dem Programm.

Der nächste Tag, Dienstag, der 11.02.2020, begann mit einer Einführung in die Geschichte und die pädagogischen Aufgaben der Begegnungsstätte IJBS und mit der Arbeit mit Dokumenten des Gedenkstättenarchivs (u.a. Zeugenaussagen und Biographien ehemaliger Häftlinge). Am Nachmittag stand der zweite Teil der Führung durch die Gedenkstätte auf dem Programm. Wir erwarteten unsere polnischen Guides diesmal in Birkenau (Auschwitz II), dem ehemaligen Vernichtungslager, das 3 km vom Stammlager entfernt liegt. Aufgrund des schlechten Wetters konnten wir leider nur eine leicht verkürzte Führung von ca. 2 h erleben. Zunächst stiegen wir auf den Wachturm, der durch Eisenbahnschienen unterbrochen war, die auf direktem Weg ins Lager führten und an den Gaskammern sowie Krematorien endeten. Das Lager hatte ursprünglich eine Fläche von 175 ha und schien bis zum Horizont zu reichen. Die aus Holz und Stein hergestellten Baracken waren in Reihen nebeneinander gebaut und unzählige Schornsteine erstreckten sich fast endlos über das gesamte Gelände. Am Ende der Schienen stießen wir schließlich auf die Überreste der Krematorien, in denen es pro Tag möglich war, bis zu 4400 Leichen zu verbrennen. Außerdem befindet sich am Ende der Schienen ein Gedenkplatz, Mahnmal für die Opfer des Vernichtungslagers, denen Menschen aus aller Welt die letzte Ehre erweisen.

Workshop "Funktion und Bedeutung illegaler Kunstwerke im KL" und Besuch der Länderausstellungen in der Gedenkstätte

Am Mittwoch, den 12.02.2020, stand zunächst ein Workshop unter dem Titel: „Funktion und Bedeutung illegaler Kunstwerke im KL Auschwitz“ auf dem Programm. Zusätzlich konnten die Schüler eigenständig die einzelnen Länderausstellungen in der Gedenkstätte besuchen. Diese thematisieren den Umgang mit dem Holocaust aus Sichtweise unterschiedlicher Nationen bzw. Opfergruppen.
Am Nachmittag folgte der Besuch von Schloss Pless. Hier konnte die vollständige und unendlich reiche Inneneinrichtung der Familie Hochberg-Pless besichtigt werden. Hinzu kamen die Räume, welche Kaiser Wilhelm II. während des ersten Weltkrieges hier bewohnt hatte, und eine Ausstellung zur „Diana der Jahrhundertwende", Fürstin Daisy von Hochberg-Pless.

Ausflug nach Krakau

Nachdem sich die Gruppe zwei Tage ausgiebig mit der Thematik Holocaust auseinandergesetzt hatte, erfolgte am Donnerstag, den 13.02.2020, ein Ausflug nach Krakau – eine der größten, vielseitigsten und schönsten Städte Polens. Dort konnten wir mit einer Stadtführung, speziell im jüdischen Viertel „Kazimierz“, viel Wissen über die historische und politische Bedeutung dieses Ortes erlangen. Die freie Zeit, die jeder nutzen konnte, um für sich ganz persönlich die Stadt zu erkunden, war eine willkommene Ablenkung und brachte uns teilweise wieder auf andere Gedanken. Am Abend speiste die Gruppe gemeinsam bei jüdischer (Klezmer) Musik im jüdischen Lokal „Ariel“ zu Abend.

Erinnerungen, die nicht in Vergessenheit geraten werden

Am Freitag, den 14.02.2020, ging es dann zurück nach Dresden. Jedoch werden die Erinnerungen mit Sicherheit nicht in Vergessenheit geraten – Erinnerungen an schreckliche und unmenschliche Taten, welche sowohl in Auschwitz und Birkenau, als auch in vielen anderen KZs zur Zeit des Nationalsozialismus verübt wurden. Wir möchten uns bei Herrn Zinnow von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung nochmals bedanken, ebenso bei den Verantwortlichen in der Jugendbegegnungsstätte vor Ort, die uns begleitet und betreut haben. An diese Woche werden wir noch oft zurückdenken und für diese Erfahrung dankbar sein. Mit vielen verschiedenen Gedanken begaben wir uns auf die Rückfahrt, doch am Ende blieb wohl bei allen ein Wille – nämlich so zu handeln und sich verantwortlich dafür zu fühlen, dass Auschwitz, egal wo auf der Welt, nie wiederholt werden darf.

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