02.03.2018 | Dresden | Abitur | Zusatzqualifikationen
Studienfahrt Berlin I des Beruflichen Gymnasiums

Am 1. und 2. März 2018 besuchten Schüler der Klassenstufe 11 und 12 unseres Beruflichen Gymnasiums, auf Einladung von Katja Kipping (MdB),  für 2 Tage Berlin. Das Thema dieser Fahrt war, sowohl das politische als auch das historische Berlin kennen zu lernen.

Als wir am 1. März um 7.00 Uhr unsere Studienfahrt nach Berlin antraten, waren alle bereits im Bus freudig gespannt auf das was nun kommt. Nach 2,5 Stunden recht lustiger Fahrt kamen wir endlich in Berlin an. Der erste Programmpunkt stand dann bereits ab 10.30 Uhr auf dem Plan.

Denn es wartete auf uns bereits das Highlight einer jeden Berlin-Fahrt: Der Besuch im Deutschen Bundestag. Nach der Sicherheitskontrolle durften wir zunächst eine Stunde lang eine Plenardebatte von der Besuchertribüne aus beobachten. Es folgte ein Gespräch mit unserer Bundestagsabgeordneten Katja Kipping über ihre bisherigen Erfahrungen als Bundestagsabgeordnete. Dabei wurde über die allgemeine Arbeit als Abgeordnete, über die spannende Ausschussarbeit bis hin zu der Arbeit in und mit der Fraktion viele Facetten beleuchtet. Den Abschluss bildete sodann eine Besichtigung der Kuppel des Reichstagsgebäudes, von der die Schüler den weiten Blick über die Hauptstadt genießen konnten.

Nach dem Mittagessen und einer kurzen Freizeitphase (die meisten besuchten das Brandenburger Tor oder das Holocaust–Denkmal) begann unsere Stadtrundfahrt. Auf dieser Fahrt  haben wir die einzelnen Ministerien gesehen, die verschiedenen Botschaften, den Potsdamer Platz und all die anderen Highlights von Berlin. Auch durch das ehemalige Westberlin, speziell durch die Szeneviertel Kreuzberg und Neukölln ging die Fahrt, bevor wir in unserem Hotel eincheckten und später ein reichhaltiges Abendbuffet genießen durften.

Am nächsten Tag ging es um 9.00 Uhr weiter. Wir fuhren zunächst zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die im Bendlerblock (Bundesverteidigungsministerium) untergebracht ist. Zuerst standen wir im Innenhof an dem Ort, an welchem Mitte Juli 1944 die Hitler-Attentäter um Claus Schenk und Graf von Stauffenberg erschossen wurden. Eine in den Boden eingelassene Platte erinnert an die mutigen Taten der Widerständler. Auf ihr steht geschrieben: „Ihr trugt die Schande nicht, ihr wehrtet euch, ihr gabt das Große, ewig wache Zeichen der Umkehr, opfernd euer heißes Leben für Freiheit, Recht und Ehre.“ Von den Eindrücken des Denkmals im Innenhof bewegt, besuchten wir das Museum des deutschen Widerstandes. Über 5.000 Bilder und Dokumente informieren exemplarisch über die Motive, Handlungen und Ziele von Einzelnen, Kreisen, Gruppen und Organisationen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In unterschiedlichen Bereichen kann man sich im Museum über verschiedene Arten des Widerstandes informieren und wir erkannten einzelne Gruppierungen wie den „Kreisauer Kreis“ um James Graf von Moltke oder die Ereignisse um den 20. Juli 1944 wieder.

Nach dem Mittagessen im Maredo am Potsdamer Platz  folgte der letzte Programmpunkt. Der Besuch der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Der Bezirk Hohenschönhausen war während der Zeit der Teilung ein Sperrgebiet. Auf Stadtkarten waren Grauzonen eingezeichnet, die Bürger wussten nicht, was sich hinter den Mauern abspielte. Hohenschönhausen ist der Inbegriff für die Verbrechen des DDR-Regimes. Von 1951 bis 1989 befand sich hier das zentrale Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit. In den Anfängen des Stasi-Gefängnisses diente es der DDR vorrangig dazu, sogenannte Republikflüchtlinge zu inhaftieren. Physische und psychische Folter als Methoden der Geständniserpressung und vor allen Dingen der Prozess der Zermürbung der Häftlinge war charakteristisch für die Situation im Stasi-Gefängnis. Seit einigen Jahren gibt es die, auch von uns genutzte Möglichkeit, dass Schulklassen von ehemaligen Opfern des Stasi-Regimes durch das Gefängnis geführt werden, so dass in beeindruckenden Berichten deutlich wird, welch grausame Entwicklung das Leben der Inhaftierten nahm. Einer dieser Inhaftierten war auch Thomas Raufeisen, der einen Teil unserer Gruppe durch die Gedenkstätte führte. An seinem Beispiel konnten wir uns das Schicksal dieser Menschen sehr deutlich machen.

Thomas Raufeisen wurde 1962 in Hannover geboren und lebte dort bis zu seinem 17. Lebensjahr. Sein Vater – Armin Raufeisen – war Mitarbeiter des Industrieunternehmens Preussag und spionierte dort als inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Aus Angst vor Enttarnung beorderte das MfS seinen Agenten kurzfristig in die DDR. Erst dort erfuhren die beiden Söhne Thomas und Michael vom Doppelleben ihres Vaters. Während Michael sich weigerte, die DDR-Staatsbürgerschaft zu beantragen und in den Westen ausreisen durfte, musste der minderjährige Thomas bei seinen Eltern in der DDR bleiben. Doch die Familie zeigte sich mit dem Leben in der DDR bald unzufrieden. Sie begann, ihre Flucht in die Bundesrepublik zu planen. Als sie im September 1981 ein zweites Mal nach Ungarn fahren wollten, wurde Thomas und seine Eltern verhaftet und zur ersten Vernehmung in die Untersuchungshaftanstalt des MfS gebrach. Mehr als ein Jahr später wurde Thomas Raufeisen wegen "ungesetzlichen Grenzübertritts" und "landesverräterischer Agententätigkeit" zu drei Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre nach seiner Freilassung im September 1984 wurde ihm die Ausreise in die Bundesrepublik genehmigt, sodass er wenig später nach Hannover zurückkehren konnte.

Um 16 Uhr ging es dann nach Dresden zurück. Diese ereignisreiche Fahrt hat allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht und sowohl das Geschichtsbewusstsein, als auch das Politikverständnis erweitert. Vielen Dank an die Gastgeberin Katja Kipping für das Ermöglichen dieser Fahrt, als auch an unsere Schüler für diese zwei tollen Tage!

Die AFBB ist Partner bzw. wird gefördert von:

ESF Erasmus LCCI imove

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.